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Helft den Helfern

  • Posted on March 10, 2009 at 11:46 pm

Wien ist ja unter anderem die Stadt des Raunzens und des Jammerns. Jerusalem erblaßt im Angesicht der tausenden von Klagemauern hier. Gemessen an manchen Gesprächen sind viele Einheimische sogar zu Hause in der Wohnung von diesen erdrückenden Mauern umgeben. Versucht man zu helfen, so kann man sich auf einen langen Leidensweg einstellen – wenn man Pech hat. Ich habe heute mit meiner Löwin über klagende Menschen geredet. Zu besseren Illustration stelle man sich folgendes Bild vor:

Ein Mensch sitzt in einer langsam größer werdenden Blutlache auf dem Boden seines Wohnzimmer. Zwei Zimmermannsnägel, die eigentlich Dachbalken halten, fesseln den Mensch an das Parkett (Unfall, selbst zugefügt, Ungeschicklichkeit siegt manchmal; nicht fragen). Schlägt man vor einen Krankenwagen zu holen, so bekommt man zur Antwort, daß das ja nichts bringt und alles nur noch schlimmer macht. Die Sanitäter würden ja schließlich den Boden nur noch dreckiger machen. Außerdem könnte man ja dann nicht mehr über die Schmerzen jammern. Und nein, die Nägel darf man nicht entfernen, weil dann blutet es ja nur noch stärker. Und ja, man habe ja schon alles versucht, aber es läßt sich ja nichts tun, und überhaupt endet es immer so.

Man kann in solchen Situationen den vorgefundenen Gummihammer immer noch zur Narkose einsetzen. Manche Menschen sind bewußtlos intelligenter als wach, und sie lassen sich dann obendrein besser helfen, weil sie einsichtiger sind und weniger sinnlos diskutieren. Mehr Gummihämmer und Bewußtlose braucht das Land. Im englischen Sprachgebrauch fällt mir dazu nur „clue-by-four” ein. Her damit!


The wind doth blow today, my love, and a Winter’s worth of rain;
I never had but one true love, in cold grave she was lain.
I’ll do as much for my true love, as any young man may;
I’ll sit and weep upon her grave for twelve-month and a day.

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