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Es gibt keine leichten Auswege aus dem Überwachungswahn

  • Posted on July 7, 2013 at 8:58 pm

Seit Bekanntwerden des weltweiten Überwachungsskandals grassieren zwei konträre Ansichten durch das Internet. Die Eingeweihten und Paranoiker sagen: „Wir haben es immer schon gewußt.“ Man liebt es ja, wenn eine Verschwörungstheorie an Wahrheit gewinnt. Dem gegenüber stehen diejenigen, die den Rechthabern vorwerfen: „Ihr habt versagt.“ Den Satz gibt es auch als Selbsterkenntnis. Man kann sich jetzt eine der Seiten aussuchen und damit den eigenen Grad der Unglücklichkeit bestimmen. Das ist der einfache Weg. Es gibt noch einen differenzierten Ansatz, den niemand interessiert.

Dass man Kommunikation an natürlichen Engpässen überwachen kann, ist kein Geheimnis. Das ganze wird noch leichter, wenn man Klartext verwendet oder keine eigenen Schlüssel hat. Man kann nun lang und breit über dezentrale Systeme, Kryptographie, Schlüssellängen, supertolle Apps zu Abhilfe, eigene Infrastruktur und die Rettung der Welt durch Bits, Bytes und Mathematik reden. Man kann auch viel an den derzeit bekannten Lösungen für bestimmte Probleme herumkritisieren. Natürlich ist vieles Da Draußen™ nicht mit genial intuitiven Oberflächen versehen (dazu zählen aber auch Videorekorder). Wenn nur Eingeweihte Eingeweihtes bedienen und entwickeln, dann wird sich am bedienungsunfreundlichen Status Quo kaum etwas ändern. Es bedarf weiterer Dialoge zwischen den Kennern und den, die es benutzen, um diese Pattsituation aufzulösen. Dazu Bedarf es gegenseitigem Respekt zwischen denen, die etwas wissen, und denen, die etwas wissen – und etwas benutzen – wollen. Elitäres Herumgehampel (auf beiden Seiten wohlgemerkt) hilft nur den Geheimdiensten.

Dasselbe gilt für die Beschwerden über TOR und andere Anonymisierungsnetzwerke. Ich finde es toll, dass auch anderen die Langsamkeit von TOR auf die Nerven geht. Die langsamen Geschwindigkeiten liegen aber nicht nur am Code, sondern sie liegen auch daran, dass es einfach nicht genug TOR Nodes gibt. Der Grund dafür liegt wiederum daran, dass manche Internetanbieter den Betrieb von TOR Nodes untersagen und gleichzeitig Behörden prinzipiell den Betreibern von TOR Nodes das Leben schwer machen. Möchte man da Abhilfe schaffen, so bedarf es keiner Programmierarbeit. Man greife zum Telefon, Stift oder Drucker und verleihe dem Wunsch nach mehr TOR Nodes bei seinem Internetanbieter oder seinem Abgeordneten etwas Nachdruck. Internetanbieter könnten ja irgendwann TOR Dienste ins Portfolio aufnehmen (ja, man wird ja noch träumen dürfen).

Wer mehr TOR Nodes braucht, der kann auch welche kaufen. Torservers.net betreibt welche und bittet im Gegenzug um Unterstützung. Es gibt auch andere Organisationen, die dieses tun. Wieso nicht der Großmutter einfach einen TOR Node schenken und auf die Geburtstagskarte „Liebe Oma, dieser Betrag sorgt dafür, dass die Gestapo nicht wieder kommt.“ schreiben? Die (aussterbende) Kriegsgeneration freut sich sicherlich über eine solche Geste. Man kann ja auch notfalls Blumen oder Pralinen dazulegen.

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